Konflikte und Brennpunkte

Das Bild zeigt Flüchtlinge in der DR Kongo.
Zivilisten fliehen vor Gewalt in der DR Kongo. UN-Photo: A. Burridge

Die Zahl der Kriege und bewaffneten Konflikte nahm seit den 1990er Jahren ab – waren es 1993 noch 63, so wurden im Jahr 2014 weltweit 31 gezählt. Dabei handelt es sich in erster Linie um innerstaatliche Konflikte und Bürgerkriege zwischen einer Regierung und bewaffneten Gruppierung oder zwischen verschiedenen bewaffneten Konfliktparteien.
Dagegen nahmen seit dem Ende des Kalten Krieges Konflikte zu, die unterhalb der Kriegsschwelle angesiedelt werden und durch immer wiederkehrende Gewalt gekennzeichnet sind. Auch sie sind von massiven Menschenrechtsverletzungen und Gewalt bis hin zu Massakern und Völkermord geprägt. Besonders in armen Ländern sterben zahlreiche Menschen an den Folgen der oft über Jahre andauernden Gewaltkonflikte, z.B. aufgrund fehlender Nahrungsmittel oder einer unzureichenden Gesundheitsversorgung. Bürgerkriege und Konflikte schüren Armut, verhindern Entwicklung, lösen Flüchtlingsbewegungen aus und zerstören staatliche Strukturen. Nicht selten herrschen innerhalb eines Landes gleich mehrere gewaltsame Konflikte zwischen verschiedenen Gruppierungen, die um politische Macht und Einfluss, um die Kontrolle von Territorien oder um Ressourcen kämpfen. Hinzu kommt, dass Gewaltkonflikte häufig erneut ausbrechen, nachdem sie mit Friedensmissionen der UN oder anderer internationaler Akteure zwischenzeitlich beendet wurden.

Ein Großteil der gewaltsamen Konflikte betrifft die armen Länder der Welt. In Afrika südlich der Sahara wurden im vergangenen Jahrzehnt die meisten Konflikte ausgetragen und bis heute finden einige der schwersten Auseinandersetzungen auf dem Kontinent statt. So waren zu Beginn des 21. Jahrhunderts die meisten UN-Friedensmissionen in Afrika tätig – heute sind es mehr als die Hälfte der UN-geführten Friedenseinsätze, u.a. in Sudan, der Demokratischen Republik Kongo und der Zentralafrikanischen Republik. Auch Asien sowie der Nahe und Mittlere Osten sind von Kriegen und bewaffneten Konflikten besonders betroffen, wie u.a. die Konflikte in Afghanistan, Irak, Myanmar, der Nahostkonflikt und die zunehmende Gewalt in Nordafrika im vergangenen Jahr zeigen. Mit dem Konflikt in der Ukraine ist 2014 auch in Europa wieder ein Krieg ausgebrochen.

Failed States und das "neue Gesicht" der Kriege

Als wichtige Gewaltursache gelten zerfallen(d)e oder gescheiterte Staaten (failing oder failed states), in denen die zentralstaatliche Kontrolle schwach oder gar nicht vorhanden ist. Wo der Staat nicht in der Lage ist, die Sicherheit seiner Bevölkerung zu gewähren und seine Institutionen instabil sind, können neue Friedensgefährdungen entstehen. Gewaltbereite lokale Herrscher wie Warlords oder Clanchefs können eigene Einflusszonen errichten und Teile des Landes kontrollieren. Failed States gelten als Rückzugsräume für transnationalen Terrorismus und begünstigen organisierte Kriminalität und den illegalen Handel mit Waffen, Drogen oder Rohstoffen. Damit werden sie zugleich zur Bedrohung der internationalen Sicherheit.

Kriege und bewaffnete Konflikte zeichnen sich heute oftmals durch eine Vielzahl der involvierten Konfliktparteien aus, die eine klare Trennung der verschiedenen bewaffneten Gruppierung erschwert. Zunehmend sind private Gewaltakteure wie Warlords daran beteiligt, die häufig wirtschaftliche Motive verfolgen und ihren bewaffneten Kampf durch illegalen Handel z.B. mit Öl, Drogen oder Diamanten ("Blutdiamanten") finanzieren. Ein weiteres Merkmal bewaffneter Konflikte ist der massive Einsatz von Kleinwaffen: Sie sind leicht zu erwerben und können auch von Kindern bedient werden. Die vermehrte Rekrutierung von Kindersoldaten war eine besorgniserregende Entwicklung in den 1990er Jahren und ist ein Beispiel für die zunehmende Verwicklung von Zivilisten in Konflikte und das Verschwimmen der Trennlinien zwischen Zivilisten und Kombattanten. Gewalt wird vorrangig gegen die Zivilbevölkerung angewendet, die Massakern, ethnischen Säuberungen oder terroristischen Angriffen zum Opfer fällt oder als Schutzschild missbraucht wird.

Die Vereinten Nationen müssen ihr Instrumentarium zur Friedenssicherung den heutigen Bedingungen anpassen. In den vergangenen Jahren rückte zunehmend Friedenskonsolidierung in den Mittelpunkt. Der Aufbau von stabilen Institutionen und die Gewährung eines langfristigen Friedens sind zu zentralen Aufgaben von UN-Friedensmissionen geworden. Zudem wurden die UN-Friedenssicherungstruppen im Laufe der Zeit immer häufiger mit einem Mandat zum Schutz der Zivilbevölkerung ausgestattet - 95% der Blauhelme arbeiten aktuell in einer Mission mit einem solchen Mandat.