Konflikte und Brennpunkte

Das Bild zeigt Flüchtlinge in der DR Kongo.
Zivilisten fliehen vor Gewalt in der DR Kongo. UN-Photo: A. Burridge

Die Anzahl der Kriege und gewaltsamen Konflikte hat seit den 1990er Jahren einige Schwankungen durchlaufen. So zählte das Heidelberger Institut für Internationale Konfliktforschung 1996 28 ernste Krisen oder Kriege. 35 Konflikte mit massivem Einsatz von Gewalt waren es im Jahr 2006. 2016 stieg die Zahl gar auf 38. Hierbei ist jedoch zu bemerken, dass sich die Erhebungsgrundlagen teilweise geändert haben. Eindeutig ist jedoch, dass es in diesem gesamten Zeitraum in erster Linie um innerstaatliche Konflikte und Bürgerkriege zwischen Regierungen und bewaffneten Gruppierungen oder zwischen verschiedenen nicht-staatlichen, bewaffneten Konfliktparteien handelt. 

Seit dem Ende des Kalten Krieges nahm zudem die Zahl der Konflikte zu, die unterhalb der Kriegsschwelle angesiedelt werden und durch immer wiederkehrende Gewalt gekennzeichnet sind. Auch sie sind von massiven Menschenrechtsverletzungen und Gewalt bis hin zu Massakern und Völkermord geprägt. Besonders in armen Ländern sterben zahlreiche Menschen an den Folgen der oft über Jahre andauernden Gewalt, z.B. aufgrund fehlender Nahrungsmittel oder einer unzureichenden Gesundheitsversorgung. Bürgerkriege und Konflikte schüren Armut, verhindern Entwicklung, lösen Fluchtbewegungen aus und zerstören staatliche Strukturen. Nicht selten herrschen innerhalb eines Landes gleich mehrere gewaltsame Konflikte zwischen verschiedenen Gruppierungen, die um politische Macht und Einfluss, um die Kontrolle von Territorien oder um Ressourcen kämpfen. Hinzu kommt, dass Gewaltkonflikte häufig erneut ausbrechen, nachdem sie mit Friedensmissionen der UN oder anderer internationaler Akteure zwischenzeitlich beendet wurden.

Ein Großteil der gewaltsamen Konflikte betrifft die Länder der Welt, deren Bevölkerung über ein geringes Pro-Kopf-Einkommen verfügt. In Afrika südlich der Sahara wurden im vergangenen Jahrzehnt die meisten Konflikte ausgetragen und bis heute finden einige der schwersten Auseinandersetzungen auf dem Kontinent statt. So waren zu Beginn des 21. Jahrhunderts die meisten UN-Friedensmissionen in Afrika tätig – heute sind es mehr als die Hälfte der UN-geführten Friedenseinsätze, u.a. in Mali, der Demokratischen Republik Kongo und der Zentralafrikanischen Republik. Auch der Nahe und Mittlere Osten sind von Kriegen und bewaffneten Konflikten besonders betroffen, wie u.a. die Konflikte in Afghanistan, Irak und insbesondere der langjährige Krieg in Syrien zeigen. Mit dem Konflikt in der Ukraine ist 2014 auch in Europa wieder ein Krieg ausgebrochen.

Failed States und das "neue Gesicht" der Kriege

Als wichtige Gewaltursache gelten zerfallen(d)e oder gescheiterte Staaten (failing oder failed states), in denen die zentralstaatliche Kontrolle schwach oder gar nicht vorhanden ist. Wo der Staat nicht in der Lage ist, die Sicherheit seiner Bevölkerung zu gewähren und seine Institutionen instabil sind, können neue Friedensgefährdungen entstehen. Gewaltbereite lokale Herrscher wie Warlords oder Anführer von Milizen können eigene Einflusszonen errichten und Teile des Landes kontrollieren. Failed States gelten als Rückzugsräume für transnationalen Terrorismus und den illegalen Handel mit Waffen, Drogen, Rohstoffen oder Menschen. Damit werden sie zugleich zur Bedrohung der internationalen Sicherheit.

Kriege und bewaffnete Konflikte zeichnen sich heute oftmals durch eine Vielzahl der involvierten Konfliktparteien aus, die eine klare Trennung der verschiedenen bewaffneten Gruppierung erschwert. Zunehmend sind private Gewaltakteure wie Milizen daran beteiligt, die häufig wirtschaftliche Motive verfolgen und ihren bewaffneten Kampf durch illegalen Handel z.B. mit Öl, Drogen, Kunst oder Edelsteinen ("Blutdiamanten") finanzieren. Ein weiteres Merkmal bewaffneter Konflikte ist der massive Einsatz von Kleinwaffen: Sie sind leicht zu erwerben und einfach in ihrer Bedienung, so dass auch Kinder zum Kampfeinsatz gezwungen werden können. Die vermehrte Rekrutierung von Kindersoldaten war eine besorgniserregende Entwicklung in den 1990er Jahren und ist ein Beispiel für die zunehmende Verwicklung von Zivilisten in Konflikte und das Verschwimmen der Trennlinien zwischen Zivilisten und Kombattanten. Gewalt wird vorrangig gegen die Zivilbevölkerung angewendet, die Massakern, sogenannten ethnischen Säuberungen oder terroristischen Angriffen zum Opfer fällt oder als Schutzschild missbraucht wird.

Die Vereinten Nationen müssen ihr Instrumentarium zur Friedenssicherung den heutigen Bedingungen anpassen. In den vergangenen Jahren rückte zunehmend Friedenskonsolidierung in den Mittelpunkt. Der Aufbau von stabilen Institutionen und die Gewährung eines langfristigen Friedens sind zu zentralen Aufgaben von UN-Friedensmissionen geworden. Zudem wurden die UN-Friedenssicherungstruppen im Laufe der Zeit immer häufiger mit einem Mandat zum Schutz der Zivilbevölkerung ausgestattet - 95% der Blauhelme arbeiten aktuell in einer Mission mit einem solchen Mandat.