Menschliche Sicherheit

Entwaffnung, Demobilisierung und Reintegration

Symbolische Waffenübergabe im Rahmen der Demobilisierung in Sudan 2009. Foto: Johann Hattingh / UN

Die Entwaffnung, Demobilisierung und Reintegration (Disarmament, Demobilization and Reintegration, kurz: DD&R) ehemaliger Kämpfer ist seit 20 Jahren wichtiger Bestandteil der Friedenskonsolidierung. In vielen UN-Friedenseinsätzen kommen DD&R-Programme zum Einsatz. Ziel ist es, Friedensprozesse durch die Rückführung der ehemaligen Kämpfer in ein ziviles Leben zu unterstützen. Kurzfristig soll DD&R zur Sicherheit und Stabilisierung nach der Beendigung bewaffneter Konflikte beitragen. Langfristig sollen die Voraussetzungen für andauernden Frieden sowie für Entwicklung und Erholung der Gesellschaft geschaffen werden.

Im Zuge der Entwaffnung soll durch die Abgabe, Sammlung und Dokumentierung von Waffen und Munition zunächst unmittelbar Sicherheit gewährt werden. Anschließend folgt die Demobilisierung, das heißt die formale Entlassung aus militärischen Strukturen. Die Loslösung von bewaffneten Gruppierungen geht einher mit einer kurzfristigen materiellen Unterstützung zur Deckung der Grundbedürfnisse (Lebensmittel, Kleidung, Unterkunft). In Demobilisierungsstellen werden ehemalige Kämpfer beraten sowie medizinisch und psychologisch betreut.

Ehemalige Kämpfer sind meist stigmatisiert, traumatisiert oder körperlich verletzt. Mit der Reintegration beginnt ein langfristiger und i.d.R. mehrjähriger Prozess, der die ehemaligen Kämpfer – Männer, Frauen und Kinder – zurück ins zivile Leben begleiten soll. Die Programme sind hauptsächlich auf lokaler Ebene angesiedelt. Ziel ist eine soziale und wirtschaftliche Wiedereingliederung. Reintegration richtet sich auch an die Familien und Gemeinden der Rückkehrenden. Den ehemaligen Kämpfern soll zu Beschäftigung und einem gesicherten Einkommen verholfen werden. Die Bandbreite der Maßnahmen reicht von Beratung, Aus- und Weiterbildungsprogrammen bis zur Förderung von privater Initiative z.B. durch die Unterstützung bei Mikrokrediten oder dem Zugang zu Land.

DD&R in Friedenseinsätzen

Einige Friedensoperationen und Politische Missionen der Vereinten Nationen setzen DD&R-Programme um. In der UN-Hauptabteilung Friedenssicherungseinsätze (DPKO) ist eine DD&R-Abteilung im Büro Rechtsstaatlichkeit und Sicherheitsinstitutionen angesiedelt. In Friedenseinsätzen führen DD&R-Einheiten die relevanten Aufgaben aus. Wiedereingliederungsprogramme übernimmt das zivile Personal der Friedensmissionen, meist in Zusammenarbeit mit UN-Organisationen wie dem UN-Entwicklungsprogramm UNDP und Nichtregierungsorganisationen.

DD&R-Programme werden beispielsweise in der DR Kongo (MONUSCO), in Côte d´Ivoire (UNOCI) und in Haiti (MINUSTAH) durchgeführt sowie von den Büros für  Friedenskonsolidierung (unter Leitung der UN-Hauptabteilung Politische Angelegenheiten) in Burundi, Guinea-Bissau und der Zentralafrikanischen Republik.

In den vergangenen Jahren nahmen Dauer, Ausstattung und Umfang der DD&R-Programme zu. Mehr als 24 UN-Organisationen und -Programme sind an ihnen beteiligt, in erster Linie DPKO und UNDP. Trotz dieser Entwicklung werden DD&R-Programme für ihren geringen Erfolg kritisiert. Hintergrund sind die schwierigen Bedingungen für die Entwaffnung, Demobilisierung und Reintegration: Der länder- und konfliktspezifische Kontext muss im Einzelfall sehr genau betrachtet werden. Nicht nur staatliche Armeen, auch Milizen und bewaffnete Zivilisten müssen entwaffnet werden. Dabei müssen zunächst Anreize für einen Austritt aus den militärischen Strukturen geschaffen werden, welche den Kämpfern als sichere Einkommensquelle dienten. Zentrale Bedingungen für das Gelingen von DD&R sind das gegenseitige Vertrauen der Konfliktparteien, ein Minimum an Sicherheitsgarantien und der entsprechende politische Wille. Reintegration wird häufig von der sozialen Ausgrenzung der ehemaligen Kämpfer und einer schlechten wirtschaftlichen Lage nach Konflikten behindert. Entscheidend ist daher auch, dass wirtschaftlicher Wiederaufbau, Sicherheitssektorreform und Versöhnung im Zuge der Friedenskonsolidierung erfolgreich verlaufen.

Weitere Informationen:

UN DPKO: Disarmament, Demobilization and Reintegration

UNDP

UN Women

Small Arms Survey

(Tina Schmidt)

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