Friedenssicherung

Frauen in UN-Friedensmissionen

Das Bild zeigt eine Soldatin in der UN-Friedensmission in der Demokratischen Republik Kongo.

Frauen spielen eine wichtige Rolle in UN-Friedensmissionen. Foto: MONUSCO/Sylvain Liechti

Frauen leisten in UN-Friedensmissionen einen wichtigen Beitrag für die Konfliktbewältigung. Eine gleichberechtigte Teilhabe kann sicherstellen, dass den Bedürfnissen von Frauen und Mädchen in allen Aspekten des Wiederaufbaus nach Konflikten Rechnung getragen wird. Der UN-Sicherheitsrat hat dies im Jahr 2000 mit Resolution 1325 anerkannt und eine Stärkung der Rolle von Frauen in allen Phasen der Friedensprozesse gefordert. Seither wurden Fortschritte erzielt, doch eine Gleichberechtigung scheint in weiter Ferne.

Frauen und Männer erleben Konflikte auf unterschiedliche Weise und haben ein unterschiedliches Verständnis von Frieden. Die Einbeziehung einer Geschlechterperspektive in UN-Friedensoperationen ist daher entscheidend für den Erfolg der Friedensbemühungen. Frauen in Friedensmissionen fördern das Vertrauen und die Zugänglichkeit der Frauen in Konfliktländern zum Friedenspersonal. Sie unterstützen die Rolle der Frauen in der Friedenskonsolidierung und den Schutz ihrer Rechte, fungieren als Vorbilder und Identifikationsfiguren und ermutigen sie darin, sich in oft Männer-dominierten Gesellschaften durchzusetzen und aktiv an Friedensprozessen teilzunehmen. Sie gehen auf die Bedürfnisse von Ex-Kombattantinnen und auf sensible Themen wie erlebte sexuelle Gewalt ein. In Gesellschaften, die einen Umgang zwischen Frauen und Männern untersagen, sind sie es, die mit den Frauen sprechen.

Resolution 1325: "Frauen, Frieden und und Sicherheit"

Den Grundstein für eine stärkere Einbindung von Frauen in Friedensprozesse legte der UN-Sicherheitsrat im Oktober 2000 mit der einstimmig verabschiedeten Resolution 1325 "Frauen, Frieden und Sicherheit". Darin hebt er die wichtige Rolle von Frauen bei der Prävention, Konfliktbewältigung und Friedenskonsolidierung hervor und unterstreicht die Bedeutung ihrer gleichberechtigten Teilhabe. Erstmals wird eine verstärkte Mitwirkung von Frauen in Friedensprozessen gefordert, denn diese kann "in erheblichem Maße zur Wahrung und Förderung des Weltfriedens und der internationalen Sicherheit beitragen". Darüber hinaus wird der Schutz von Frauen und Mädchen vor geschlechtsspezifischer Gewalt in Konflikten sowie die Integration einer Geschlechterperspektive in allen Bereichen der UN-Friedenssicherungseinsätze eingefordert.

Die Forderungen der Resolution und ihrer Folgeresolutionen – insbesondere Res. 1820 (2008), 1888 (2009), 1889 (2009), 1960 (2010) – beinhalten eine Förderung von Frauen in UN-Friedensmissionen, ihre Beteiligung an Vermittlungen, Friedensabkommen und ihre Vertretung in Institutionen der Konfliktbewältigung. Mit der Integration einer Geschlechterperspektive sollen die Bedürfnisse von Frauen und Mädchen Berücksichtigung finden, lokale Fraueninitiativen unterstützt und Straflosigkeit beendet werden. Die UN-Mitgliedstaaten sollen Trainingsmaßnahmen zur Sensibilisierung des Personals in Geschlechterfragen durchführen. Konfliktparteien sind angehalten, Frauen in Friedensprozesse zu integrieren, ihre Rechte zu schützen und Maßnahmen zum Schutz vor geschlechtsspezifischer Gewalt ergreifen. Der UN-Generalsekretär soll vermehrt Frauen zu Sonderbeauftragten ernennen.

"Frauen können und müssen eine führende Rolle in der politischen Teilhabe, der Konfliktbewältigung und dem Übergang von Konflikt zu Frieden einnehmen."

Hervé Ladsous, UN-Untergeneralsekretär für Friedenssicherungseinsätze

Studie des UN-Generalsekretärs: gemischte Bilanz nach zehn Jahren

In seinem 2010 erschienenen Bericht (S/2010/498) blickt der UN-Generalsekretär auf Fortschritte bei der Umsetzung der Resolution. Die Studie untersucht Entwicklungen in zwölf Friedenseinsätzen. Kaum Erfolge ließen sich bei der Beteiligung von Frauen an Friedensverhandlungen verzeichnen. Dagegen habe die politische Teilhabe von Frauen Fortschritte erzielt. Die Integration einer Geschlechterperspektive in DD&R-Programmen war nur mäßig erfolgreich, hier bedürfe es einer besseren Ausbildung des Personals. Im Sicherheitssektor nahm der Anteil von Frauen nur in wenigen Ländern merklich zu, da eine Diskriminierung von Frauen in Sicherheitsinstitutionen nach wie vor verbreitet sei. Positiver werden Fortschritte im Justizsektor bewertet, wo es Friedensmissionen gelang, Aspekte der Geschlechtergerechtigkeit in Reformen einzubringen. Große Herausforderungen blieben bei sexueller und geschlechtsspezifischer Gewalt sowie beim Schutz weiblicher Flüchtlinge und Binnenvertriebener bestehen. Schutzmaßnahmen müssten stärker ausgebaut werden.

Beteiligung von Frauen in Friedensmissionen

In UN-Friedensmissionen gab es vielfach Bemühungen, den Frauenanteil zu erhöhen. Die Zahlen sind 13 Jahre nach Verabschiedung der Resolution 1325 aber ernüchternd: 1993 stellten Frauen ein Prozent des uniformierten Personals, im Jahr 2012 waren es drei Prozent des militärischen und zehn Prozent des polizeilichen Personals – im Vergleich zu den 32 Jahren zwischen 1957 und 1989, als dem uniformierten Personal lediglich 20 Frauen angehörten, sicherlich ein Fortschritt. Aber eine Gleichberechtigung ist noch lange nicht in Sicht. In vielen Ländern untergraben soziale und kulturelle Normen eine Gleichstellung der Geschlechter besonders im Sicherheitssektor, die Rekrutierung von Frauen ist daher oft eingeschränkt. Die großen Truppensteller wie Bangladesch, Indien und Pakistan verfügen selbst nur über geringe Frauenanteile in ihren Streitkräften und entsenden entsprechend wenige Frauen in die UN-Truppenkontingente. Ebenso liegt die Entsendung des Polizeipersonals bei den Mitgliedstaaten. Derzeit sind drei weibliche Polizeieinheiten im Einsatz. Bis zum Jahr 2014 soll der Anteil der Polizistinnen am gesamten Friedenspersonal auf 20 Prozent ansteigen.

Dass Frauen in Friedens- und politischen Missionen heute 29 Prozent des internationalen und 17 Prozent des nationalen Personals stellen, ist auf ihre Zunahme beim zivilen Personal zurückzuführen. Das Ziel eines Frauenanteils von 50 Prozent ist damit noch nicht erreicht. Hinzu kommt, dass sehr wenige hochrangige Posten von Frauen begleitet werden. Derzeit werden nur drei Friedensmissionen und eine politische Mission von Frauen mit dem Status als Sonderbeauftragte des Generalsekretärs geleitet: UNMIL in Liberia, UNMISS in Südsudan, MINUSTAH in Haiti und BINUCA in der Zentralafrikanischen Republik. Die Mehrheit der Frauen ist in Positionen auf den unteren Ebenen tätig. Das gilt auch für Frauen im UN-Hauptquartier, wo ihr Anteil inzwischen bei 48 Prozent liegt. Trotz Bemühungen um Gleichstellung in der Personalpolitik sind die Aufstiegschancen im UN-System begrenzt. Eine weitere Hürde stellt die Familienunfreundlichkeit hochrangiger Posten in Friedensmissionen dar.

Das Bild zeigt Offizierinnen der UNAMID, die mit Frauen einer Gemeinde in Norddarfur singen und tanzen.
Offizierinnen der UNAMID mit Frauen einer Gemeinde in Norddarfur. Foto: Albert Gonzalez Farran / UNAMID.

Stärkung von Frauen in Friedensprozessen

Die Beteiligung von Frauen und Geschlechterfragen finden in UN-Friedensmissionen zunehmend Berücksichtigung. Die Hauptabteilung Friedenssicherungseinsätze im UN-Sekretariat (DPKO) hat in ihren Unterabteilungen eine Geschlechterperspektive integriert. UN-Friedensmissionen verfügen über Einheiten (gender units) und Anlaufstellen für Geschlechterfragen (gender focal points). gender units sind jedoch meist unterbesetzt und unzureichend ausgestattet. In acht UN-Friedensmissionen sind derzeit Beraterinnen und Berater für Geschlechter- und Gleichstellungsfragen (gender advisers) tätig. Sie unterstützen lokale Frauen darin, an Friedensprozessen teilzunehmen und schützen sie vor sexueller Gewalt. Darüber hinaus sind Frauenschutzberaterinnen und -berater (women protection advisors) tätig, deren Mandat sich auf sexuelle Gewalt richtet. Zuletzt forderte der UN-Sicherheitsrat in Resolution 2106 vom Juni 2013, diese Beraterinnen und Berater auch künftig verstärkt in Friedens- und politischen Missionen einzusetzen. Programme der UN-Friedensmissionen in Zusammenarbeit mit anderen Organisationen wie UN Women zielen auf die Stärkung der Rechte und Rolle der Frauen. Beispielsweise werden in Afghanistan Programme zur Förderung von Polizistinnen umgesetzt, in Darfur Workshops zum Thema Frauenrechte gehalten oder in Haiti Projekte für Frauen, z.B. speziell für Unternehmerinnen in Slumgebieten, durchgeführt.

Aktionsplan der Bundesregierung

Auch auf nationaler Ebene gibt es Bemühungen. Einige Staaten verabschiedeten Aktionspläne zur Umsetzung der Resolution 1325. 2012 legte die Bundesregierung ihren Aktionsplan für den Zeitraum 2013-2016 vor. Darin setzt sie die Schwerpunkte Prävention, Einsatzvorbereitung, Beteiligung, Schutz, Wiederaufbau und Strafverfolgung. Zu den vielfältigen geplanten Maßnahmen gehören u.a. die Förderung von Reformen in ehemaligen Konfliktländern, die auf eine politische Teilhabe von Frauen und die Abschaffung diskriminierender Gesetze z.B. im Eigentumsrecht zielen, der Schutz von Frauen und Mädchen vor sexueller Gewalt, die Unterstützung ihres Zugangs zur Justiz, medizinische und psychologische Betreuung von Ex-Kombattantinnen, Unterstützung der Reintegration verstoßener Frauen durch die Ermöglichung einer beruflichen Tätigkeit sowie die Einbeziehung von Frauen in den Wiederaufbau, die Sensibilisierung des entsendeten Personals für Geschlechterfragen und die Förderung von Frauen in Spitzenpositionen von Friedensmissionen.

Weitere Informationen:

Camille Pampell Conaway · Jolynn Shoemaker: Frauen in UN-Friedensmissionen: ein Anfang ist gemacht. VEREINTE NATIONEN 5/2009

Sexuelle Gewalt in bewaffneten Konflikten

Ten-year Impact Study on Implementation of UN Security Council Resolution 1325 (2000) on Women, Peace and Security in Peacekeeping

United Nations Peacekeeping – Gender Statistics

Resolutionen des Sicherheitsrats zu Frauen, Frieden und Sicherheit (engl.)

Tina Schmidt

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