Nahost

Kämpfe im Jemen halten an - UN warnen vor zivilen Opfern

Zerstörte Häuserwand

Zerstörung durch Luftangriffe in der Provinz Abyan: Seit zwei Wochen fliegt die arabische Militärallianz Luftangriffe gegen die Huthi-Rebellen. UN-Foto: OCHA-Eman

Auch nach zwei Wochen setzt Saudi-Arabien seine Angriffe auf dem Staatsgebiet Jemens fort. Ziel der Offensive, die überwiegend aus der Luft geführt wird, sind Stellungen, die unter der Kontrolle der schiitischen Huthi-Rebellen stehen. Diese hatten in den letzten Wochen unter anderem Jemens Hauptstadt Sanaa eingenommen und in der Hafenstadt Aden den Palast des geflohenen Präsidenten Hadi gestürmt.

Die schiitischen Huthi-Rebellen stehen dem ehemaligen jemenitischen Staatschef Ali Abdallah Saleh nahe und konnten auch einige Soldaten für ihren Kampf gewinnen. Saleh unterstützt die Huthis finanziell. Allein bei den Kämpfen um den Präsidentenpalast in der südlichen Hafenstadt Aden starben mindestens 44 Menschen. Präsident Hadi floh infolge des Angriffs der Huthis in die saudi-arabische Hauptstadt Riad. Seit dem 26. März fliegt eine arabische Militärallianz unter der Führung von Saudi-Arabien Luftangriffe gegen Stellungen der Huthi-Rebellen.

Krankenhäuser sind überfüllt

Trotz der Angriffe scheinen diese weiter an Boden zu gewinnen. Unter den bisher 549 Toten befinden sich laut Schätzungen des UN-Kinderhilfswerks UNICEF auch 74 Kinder. Dies seien jedoch vorsichtige Schätzungen - die tatsächliche Zahl der Opfer dürfte angesichts der intensiven Kämpfe der vergangenen Tage viel höher liegen. "Die Situation ist sehr gefährlich. Krankenhäuser sind überfüllt und sogar Krankenwagen werden entführt", sagt Julien Harneis, Leiter von UNICEF im Jemen.

Menschen in Sanaa
Jemens Hauptstadt Sanaa steht seit Wochen unter der Kontrolle der schiitischen Huthi-Miliz. UN-Foto: Evan Schneider

Auch der UN-Sicherheitsrat, der in diesem Monat unter jordanischem Vorsitz arbeitet, befasste sich mit den Kämpen im Jemen. Auf Initiative Russlands wurde in einer Sondersitzung über eine Feuerpause Saudi-Arabiens und seiner Verbündeten debattiert. Vorher hatten Führer der Huthi-Miliz ihre grundsätzliche Bereitschaft zu Friedensgesprächen erklärt. Eine Feuerpause könnte Raum für humanitäre Hilfe schaffen. Viele Hilfslieferungen können aufgrund der gefährlichen Lage und der Bombardements bestimmte Krisengebiete nicht erreichen.

Golfstaaten verlangen Resolution des Sicherheitsrats

Dem russischen Vorstoß im UN-Sicherheitsrat war eine Initiative verschiedener Golfstaaten vorausgegangen. Sie hatten den Sicherheitsrat um eine Resolution gebeten, um die Huthi-Rebellen mit einem Waffenembargo und Sanktionen zu belegen. Russland hatte den Entwurf jedoch abgelehnt und gefordert, das Waffenembargo auf das ganze Land auszudehnen und die Sanktionen zu begrenzen.

Das Internationale Rote Kreuz unterstützte die Bemühungen um eine Waffenruhe. Diese müsse mindestens 24 Stunden anhalten und eine Öffnung aller Zugänge an den Grenzen nach sich ziehen, um die von ausländischer Hilfe abgeschnittenen Menschen zu erreichen. UN-Nothilfekoordinatorin Valerie Amos warnte unterdessen vor der drohenden humanitären Katastrophe. Zehntausende Menschen seien aus ihren Häusern geflohen und bräuchten nun Schutz und Zuflucht. Auch ein Flüchtlingslager und eine Molkerei seien von den Luftschlägen getroffen worden.

Flächenbrand mit internationalem Ausmaß

Im Nahen und Mittleren Osten scheint der Jemen nun zum nächsten Schlachtfeld im Kampf um die Hegemonie der beiden Erzfeinde Iran und Saudi-Arabien zu werden. Der Konflikt belastet das ohnehin schwierige Verhältnis zwischen den beiden Staaten. Während sich Saudi-Arabien als Vormacht des sunnitischen Islam versteht, will der Iran die Führungsrolle des schiitischen Islams einnehmen und seinen Einfluss entsprechend ausbauen. Es gilt unterdessen als sicher, dass iranische Militärberater auch den Huthi-Rebellen Unterstützung zukommen lassen.

So könnte sich der Krieg im Jemen schnell zu einem Stellvertreterkrieg zwischen Iran und Saudi-Arabien entwickeln. Saudi-Arabiens Königshaus bezeichnete die iranische Präsenz rund um sein Staatsgebiet bereits als existentielle Bedrohung. Teheran wiederum verurteilte die Angriffe Saudi-Arabiens scharf. Die Luftangriffe müssten sofort aufhören, weil sie gegen Jemens Souveränität verstießen, erklärte Irans Außenminister Mohamed Dschawad Sarif. Der Krieg im Jemen droht somit, die gesamte Region zu erfassen. Auch Außenminister Frank-Walter Steinmeier befürchtet dies. Langfristig würde es in der konfliktreichen Region erst dann Entspannung geben, wenn sich die beiden großen Regionalmächte miteinander verständigen, oder zumindest arrangierten, so Steinmeier.

Arabische Bodentruppen für den Jemen?  

Unklar bleibt bisher, ob Luftschläge allein den Vormarsch der Huthi-Rebellen stoppen können. Erste Überlegungen der Arabischen Liga gehen daher in die Richtung einer pan-arabischen Armee, einer sogenannten gemeinsamen Eingreiftruppe. „Eine solche Truppe“, erklärte der Generalsekretär der Arabischen Liga, Nabil al-Arabi, „diene dazu, den gegenwärtigen Bedrohungen zu begegnen und die arabische Sicherheit zu verteidigen.“ Eine Teilnahme an dieser zu formenden Truppe werde nur auf freiwilliger Basis infrage kommen. Welche Folgen ein Einmarsch arabischer Soldaten in den Jemen für die Zivilbevölkerung haben wird, scheint unterdessen noch keine Rolle zu spielen.


Florian Demmler

 

 

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