Terrorismus

Kampf gegen Boko Haram: AU und UN kündigen Schulterschluss an

UN-Generalsekretär Ban spricht auf der 24. Gipfelkonferenz der Afrikanischen Union. Die Zusammenarbeit zwischen UN und AU habe hohen Stellenwert für Frieden und Sicherheit in Afrika. UN-Foto: Eskinder Debebe

UN-Generalsekretär Ban spricht auf der 24. Gipfelkonferenz der Afrikanischen Union. Die Zusammenarbeit zwischen UN und AU habe hohen Stellenwert für Frieden und Sicherheit in Afrika. UN-Foto: Eskinder Debebe

Während sich die radikale Extremistengruppe Boko Haram am Wochenende erneut schwere Gefechte mit dem nigerianischen Militär geliefert hat, kündigte die Afrikanische Union (AU) an, den Kampf gegen die Terroristen zu verstärken. Auf ihrer Konferenz in der Äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba wurde unter Anwesenheit des UN-Generalsekretärs eine enge Zusammenarbeit mit den Vereinten Nationen angekündigt. Konkret ist von einer Eingreiftruppe mit 7.500 Soldaten die Rede.

UN-Generalsekretär Ban Ki-moon begrüßte die Entscheidung der Afrikanischen Union, "die mörderische Kampagne von Boko Haram" zu stoppen. Ohne eine enge Kooperation des afrikanischen Kontinents mit der UN sei ein erfolgreicher Anti-Terror-Kampf schwer umzusetzen, so Ban. Ausdrücklich stimmte er der Einrichtung einer multinationalen "Joint Task Force" zu, jedoch müsse bei erforderlichen Militäraktionen die nötige Sorgfalt und die Einhaltung der Menschrechte gewährleistet sein. "Regionale und internationale Anstrengungen müssen vor allem den Menschen im Norden Nigerias und in den naheliegenden Grenzgebieten zugutekommen. Mehr als eine Millionen Inlandsvertriebene wollen in ihre Heimat zurückkehren", erläuterte Ban.

Auch Nigerias Nachbarländer unter Beschuss

Die Forderung des Generalsekretärs, auch über die Grenzen Nigerias hinaus zu blicken, kommt nicht von ungefähr. Der Terror von Boko Haram macht nicht an der Landesgrenze halt. Auch im benachbarten Kamerun lieferten sich bewaffnete Boko Haram Terroristen Kämpfe mit Soldaten. Von Donnerstag bis Samstag kamen dabei mindestens 120 Menschen ums Leben, darunter viele Islamisten. Im Zentrum der Attacke stand der Ort Fotokol im Norden Kameruns. Streitkräfte aus dem Tschad sind mittlerweile entlang der Grenze zu Nigeria stationiert, um Kamerun im Kampf gegen die Terroristen zu unterstützen.

In Nigeria selbst griff Boko Haram erneut die Millionenstadt Maiduguri an. Nach Augenzeugenberichten stürmten Kämpfer an Wochenende in die Metropole und lieferten sich schwere Kämpfe mit nigerianischen Soldaten. Auch bewaffnete Einwohner der Stadt sollen die Soldaten unterstützt haben. Viele fürchten sich vor einem Einmarsch von Boko Haram. Die Terrorherrschaft des Islamichen Staats in Syrien und im Nordirak zeigt, wie sehr die Bevölkerung unter den Machtansprüchen terroristischer Islamisten zu leiden hat. Der Großteil der Menschen in Nigeria versucht sich deshalb dagegen zu wehren. Nigerias Armee kann die Hauptstadt der Provinz Borno unterdessen halten. Unter anderem wird mit Luftschlägen versucht, den Terroristen die Versorgungslinien abzuschneiden. Der Angriff von Boko Haram auf Maiduguri ist nur die Spitze der jüngsten Attacken. Schon seit 2009 tötete die Gruppe rund 13.000 Menschen beim Kampf für einen islamischen Staat im Norden Nigerias.

Nkosazana Dlamini-Zuma ist die erste Frau, die den Vorsitz der Afrikanischen Union inne hat. Sie forderte die Staats- und Regierungschefs auf, Vorreiter im Kampf gegen Boko Haram zu werden. UN-Foto: Cia Pak
Nkosazana Dlamini-Zuma ist die erste Frau, die den Vorsitz der Afrikanischen Union inne hat. Sie forderte die Staats- und Regierungschefs auf, Vorreiter im Kampf gegen Boko Haram zu werden. UN-Foto: Cia Pak

Afrikanische Union bittet um finanzielle Unterstützung

Der Friedens- und Sicherheitsrat der Afrikanischen Union (AUPSC) beschloss nun bei seiner Sitzung in Addis Abeba eine 7.500 Mann starke Eingreiftruppe auf die Beine zu stellen. Das Mandat wurde zunächst auf zwölf Monate beschränkt, ist aber verlängerbar. Aus dem Umfeld des Treffens der 54 afrikanischen Staats- und Regierungschefs wurde bekannt, dass die UN um die Finanzierung der Eingreiftruppe gebeten wurde. UN-Generalsekretär Ban nahm dazu zunächst nicht Stellung. Er betonte aber den Stellenwert den die Zusammenarbeit zwischen UN und AU für Frieden und Sicherheit in Afrika habe. 80 Prozent der aller UN-Friedenstruppen sind in Afrika stationiert. Gemeinsame Friedenssicherungseinsätze brachten in Burkina Faso, der Zentralafrikanischen Republik, Mali, Somalia und im Südsudan beträchtliche Erfolge, so Ban. Auch der mühevolle Kampf gegen die Ebola-Epidemie zeige, dass gemeinsame Anstrengungen positive Auswirkungen haben.

Auch die erste weibliche Vorsitzende der Afrikanischen Union, Nkosazana Dlamini-Zuma, rief den gesamten Kontinent dazu auf, eine Führungsrolle im Kampf gegen Boko Haram zu übernehmen. Diese Angriffe können die gesamte Region destabilisieren und Afrika ins Chaos stürzen. "Der Terror ist inakzeptabel", so Dlamini-Zuma.

Florian Demmler

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