Konflikte & Brennpunkte

Kampf gegen Ebola: Koordination der internationalen Hilfe ist jetzt entscheidend

Zwei Männer befestigen an zwei Holzpfählen ein Plakat, das dazu auffordert, sich gegen das Ebola-Virus zu schützen.

Nur wenn die internationale Hilfe stärker koordiniert wird und das Mobilisierungspotenzial der betroffenen Länder einbezieht, kann der Kampf gegen die Ebola-Epidemie erfolgreich sein. Foto: WHO/C. Banluta

Die internationale Staatengemeinschaft reagierte zu spät auf die Ebola-Epidemie in Westafrika. Inzwischen zeigen sich jedoch erste Erfolge im Kampf gegen die Seuche: Die Neuinfektionen gehen zurück und erste Teststudien für einen künftigen Impfstoff sind offenbar erfolgreich verlaufen. Für eine Entwarnung ist es allerdings noch zu früh. Die internationale Hilfe muss jetzt stärker koordiniert werden und die langfristige Perspektive in den Fokus rücken. Ansonsten drohen den betroffenen Ländern nach der Ebola-Epidemie wirtschaftlicher Zusammenbruch sowie eine politische und gesellschaftliche Destabilisierung.

70-70-60. Mit dieser Formel gab die Weltgesundheitsorganisation (WHO) Mitte Oktober das Ziel der UN Mission for Ebola Emergency Response (UNMEER) zur Bekämpfung der seit einem Jahr grassierenden Ebola-Epidemie in Westafrika vor. Der ambitionierte Plan sieht vor, 70 Prozent der Ebola-Fälle zu isolieren und zu behandeln sowie 70 Prozent der gestorbenen Patienten sicher und ohne Ansteckungsgefahr zu bestatten – innerhalb von 60 Tagen. In ihrem „Situation report“ vom Dezember zieht die WHO für die drei am stärksten betroffenen Länder Liberia, Guinea und Sierra Leone eine überwiegend positive Bilanz: Alle drei Länder verfügten insgesamt betrachtet nun über ausreichende Kapazitäten zur Erreichung des 70-70-60-Ziels. Allerdings gebe es nach wie vor einzelne Regionen ohne genügend Kapazitäten, um eine Übertragung des Virus zu stoppen. Die Zahl der Neuinfektionen ist in Guinea im Gegensatz zu Liberia und Sierra Leone zuletzt wieder angestiegen.

Ende November konnte die WHO die zunächst höher eingeschätzten Zahlen zur Ebola-Epidemie nach unten korrigieren. Am 30. November lag demnach die Gesamtzahl der Infizierten bei 17.145, die der erfassten Todesfälle bei 6.070. Zuvor hatte die Weltgesundheitsorganisation noch von knapp 7.000 Todesfällen gesprochen. Etwa zeitgleich vermeldeten die National Institutes of Health (NIH), eine Behörde des US-amerikanischen Gesundheitsministeriums, dass klinische Tests für die Entwicklung eines Ebola-Impfstoffs erfolgreich verlaufen seien. Innerhalb von vier Wochen konnten die Wissenschaftler bei allen 20 Testpersonen die Bildung von Antikörpern gegen Ebola feststellen. In Deutschland prüft das Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf in einer Studie mit 30 Freiwilligen derzeit einen potenziellen Impfstoff gegen das Ebola Virus. Die aktuellen Erfolgsmeldungen können jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass die internationale Staatengemeinschaft zu spät und zu zögerlich auf die Ebola-Epidemie reagierte.

Hunderte Motorräder mit Kühlboxen stehen in drei Reihen rechts von einem großen weißen Zelt.
400 von Deutschland gespendete Motorräder mit Kühlboxen können dazu benutzt werden, Blutproben für Ebola-Tests zu transportieren. Foto: UNMEER Photo/Martine Perret

Die internationale Staatengemeinschaft muss ihre Hilfe koordinieren

Viel zu lange ignorierten die Regierungen das Ausmaß der aktuellen Ebola-Epidemie und zeigten sich auf die Größenordnung und die Dynamik der Seuche nicht ausreichend vorbereitet. Nach dem ersten dokumentierten Todesfall im Dezember 2013 und dem rasanten Verlauf der Ansteckungszahlen im Sommer 2014 rückte die Katastrophe in Westafrika erst langsam in das Bewusstsein der Weltöffentlichkeit. Dies war zum Teil der Tatsache geschuldet, dass andere aktuelle Brennpunkte wie der Ukraine-Konflikt, der Kampf gegen den IS und der Nahe Osten die verstärkte Aufmerksamkeit der internationalen Politik beanspruchten. Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen, die seit März 2013 Ebola-Patienten in der betroffenen Region behandelt, kritisierte immer wieder die langsame Reaktion der Regierungen auf die Situation in Westafrika. Umso wichtiger war es deshalb, dass die Vereinten Nationen schließlich ein Zeichen setzten: Am 18. September 2014 erklärte der UN-Sicherheitsrat die Ebola-Epidemie einstimmig zu einer Gefahr für die internationale Sicherheit und den Frieden. Seitdem koordiniert die UN-Mission UNMEER die internationalen Maßnahmen und bündelt die Ressourcen der verschiedenen UN-Stellen, -Fonds und -Programme. Jedoch erreichten erst die Ebola-Infizierten und -Todesfälle in Europa und in den USA die volle Aufmerksamkeit der Medien und damit eine breitere Öffentlichkeit.

Zurzeit steht die internationale Staatengemeinschaft beim Kampf gegen die Ebola-Epidemie vor zwei strategischen Herausforderungen. Erstens muss flächendeckend eine ausreichende logistische Ausstattung der Ebola-Behandlungszentren gewährleistet werden, um infizierte Patienten versorgen zu können. Zweitens muss die Infektionsübertragung unterbrochen werden. Hierzu bedarf es einer breit angelegten Aufklärung über Ebola-Symptome sowie des Aufbaus einer entsprechenden Infrastruktur, z.B. für Quarantänemaßnahmen. Die letztgenannten Maßnahmen sind weniger sichtbar und medienwirksam als die Bereitstellung und Ausstattung von Behandlungszentren, aber ebenso wichtig für nachhaltige Fortschritte im Kampf gegen Ebola.

Rund acht Monate, nachdem die WHO Alarm schlug, ist die internationale Hilfe der Staaten nun angelaufen und wird seitdem kontinuierlich ausgeweitet. So stellte die deutsche Bundesregierung bisher 161,7 Millionen Euro für den Kampf gegen die Ebola-Epidemie in Westafrika bereit. Eine effiziente und transparente Verteilung von Hilfsfonds ist angesichts noch fragiler staatlicher Strukturen wie im ehemaligen Bürgerkriegsland Liberia sowie am Boden liegender Gesundheitssysteme aber schwierig. Daher hat die Bereitstellung logistischer Unterstützung weiterhin eine hohe Priorität. Anfang Dezember überreichte der deutsche Botschafter in Ghana, Rüdiger John, den Vereinten Nationen 400 Motorräder, die mit Kühlboxen ausgestattet sind. Mit ihnen können Blutproben aus abgelegenen Regionen in Guinea, Liberia und Sierra Leone zukünftig schneller ins Labor gebracht und die Wartezeiten auf Ebola-Testresultate reduziert werden. Nachdem die Epidemie einigermaßen kontrollierbar zu sein scheint, ist es nun entscheidend, dass die internationale Hilfe nicht nachlässt, vorhandene Kapazitäten flexibel eingesetzt und geplante Maßnahmen stärker aufeinander abgestimmt werden. Nur ein enges Zusammenwirken der nationalen Regierungen mit den koordinierenden Strukturen der Vereinten Nationen sowie Regional- und Hilfsorganisationen kann nachhaltigen Erfolg haben. In Deutschland ist seit Oktober 2014 Botschafter Walter Lindner als Sonderbeauftragter der Bundesregierung zentraler Ansprechpartner für den Kampf gegen die Ebola-Epidemie. Auf europäischer Ebene beraten die EU-Außenminister zurzeit über die Einrichtung eines Expertenpools von „Weißhelmen“.

Man sieht mehrere überdachte Tische aus Holz, die nur spärlich mit Gemüse bedeckt sind.
Leere Märkte und ein drastisch eingeschränktes Lebensmittelangebot sind eine Folge der eingeschränkten Bewegungsfreiheit in den von Ebola betroffenen Gebieten. Foto: FAO Liberia

Langfristige Entwicklung nicht aus dem Blick verlieren

Beim Weltgesundheitsgipfel in Berlin warnte der deutsche Außenminister Frank-Walter Steinmeier vor den Folgen einer Destabilisierung: „Wankende Gesellschaften und zerfallende staatliche Strukturen sind der Nährboden für Unruhen, Radikalisierung und Krieg.“ Aufgrund der rasanten Ausbreitung der Ebola-Epidemie war 2014 ein Ausnahmejahr für Westafrika. Nun gilt es, die politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklungsperspektive der betroffenen Länder für die Zeit nach der Ebola-Epidemie nicht aus dem Blick zu verlieren. Aufgrund von Ernteausfällen und wegen Ansteckungsgefahr geschlossener Lebensmittelmärkte drohen Liberia, Sierra Leone und Guinea ernsthafte Engpässe bei der Nahrungsmittelversorgung sowie Wirtschaftseinbrüche. Die Ebola-Epidemie stellt aber auch das soziale Gefüge der betroffenen Länder vor eine Zerreißprobe. Aufgrund der Reisebeschränkungen können sich Familien nicht wie gewohnt treffen; Schulen bleiben geschlossen und die hohe Zahl von Todesfällen führt dazu, dass eine Generation verwaister Kinder heranwächst. Das wegen der Infektionsgefahr auferlegte Verbot von Körperkontakten belastet die Menschen und birgt die Gefahr einer Stigmatisierung. Nicht zuletzt deshalb sollte stärker als bisher das Potenzial afrikanischer Künstler und Intellektueller genutzt werden, um zu zeigen, dass sich Westafrika im Kampf gegen Ebola mobilisiert.


Patrick Moss

 

In ihrem Musikvideo „Africa Stop Ebola“ erklären bekannte afrikanische Stars wie Salif Keita, Mory Kante, Barbara Kanam oder Tiken Jah Fakoly, wie man sich vor der Ansteckung schützt.

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