Menschliche Sicherheit

Trotz Fortschritten: "Liste der Schande" erweitert

Das Bild zeigt einen Blauhelm der MONUSCO in der Demokratischen Republik Kongo, der einem Kind Hilfslieferungen überreicht. Foto: Clara Padovan / UN.

Kinder sind besonders auf Schutz in bewaffneten Konflikten angewiesen. Foto: Clara Padovan / UN.

Während sich beim Schutz von Kindern in bewaffneten Konflikten vielerorts Fortschritte verzeichnen lassen, sind gleichzeitig besorgniserregende Entwicklungen beobachtbar. Kinder werden zunehmend als Selbstmordattentäter oder menschliche Schutzschilde missbraucht, oder sie werden Opfer von Drohnenangriffen. Schulen werden verstärkt angegriffen und für militärische Zwecke genutzt. Neue und wieder aufflammende Konflikte gefährdeten Kinder im vergangenen Jahr massiv, wie der diesjährige Bericht des UN-Generalsekretärs zu Kindern und bewaffneten Konflikten darlegt. Vor allem in Syrien, Mali und der Zentralafrikanischen Republik waren Kinder stark betroffen.

55 Konfliktparteien auf der "Liste der Schande"

Der Bericht untersuchte die Situation in 21 Ländern. Konfliktparteien werden in der "Liste der Schande" aufgeführt, wenn sie Kindersoldaten rekrutieren, sexuelle Gewalt gegen Kinder ausüben, Kinder töten oder missbrauchen, Schulen oder Krankenhäuser angreifen oder geschützte Personen bedrohen. Mit dem "naming and shaming"-Verfahren werden die Täter öffentlich angeprangert und geächtet. In diesem Jahr umfasst die Liste 55 Konfliktparteien – im Vorjahr waren es 52. Sie enthält mehrheitlich nicht-staatliche bewaffnete Gruppierungen aus 14 Ländern: Afghanistan, der Demokratischen Republik Kongo, Irak, Jemen, Kolumbien, Mali, Myanmar, Philippinen, Somalia, Sudan, Südsudan, Syrien, Tschad und der Zentralafrikanischen Republik.

Während Nepal und Sri Lanka aus der Liste gestrichen werden konnten, kamen Gruppierungen aus Mali, Syrien, der Demokratischen Republik Kongo und der Zentralafrikanischen Republik hinzu. Besorgniserregend ist besonders, dass sich 29 Konfliktparteien bereits seit mindestens fünf Jahren auf der Liste befinden und damit anhaltend die Rechte von Kindern verletzen.

Mali und Syrien

Neu gelistet sind im diesjährigen Bericht die Konfliktparteien Malis. Die Gewalt in dem Land brachte 2012 schwere Übergriffe auf Kinder mit sich. Hunderte Jungen im Alter zwischen zwölf und 15 Jahren wurden rekrutiert. Mindestens 211 Mädchen wurden Opfer sexueller Gewalt.

Große Sorge löst die Situation in Syrien aus. UN-Generalsekretär Ban Ki-moon fordert in seinem Bericht ein sofortiges Ende der Gewalt gegen Kinder. Das Büro der Sonderbeauftragten Leila Zerrougui habe Berichte erhalten, wonach syrische Kinder durch Bombenangriffe getötet oder verletzt, von Scharfschützen erschossen, als menschliche Schutzschilde missbraucht und Opfer terroristischer Taktiken wurden. Kinder wurden vielfach verhaftet und misshandelt. Zehnjährige Jungen wurden rekrutiert um als Kämpfer oder Boten zu dienen. Sowohl die syrischen Sicherheitskräfte als auch die Freie Syrische Armee sind in dem Bericht gelistet. Darüber hinaus habe es gravierende Angriffe auf Schulen gegeben, nach UNICEF-Angaben wurden 2.445 Schulen beschädigt.

Schutz von Kindern in bewaffneten Konflikten verbessern

Doch es lassen sich auch Fortschritte verzeichnen: 2012 konnten Aktionspläne mit der  Demokratischen Republik Kongo, Myanmar, Somalia und Südsudan beschlossen werden. Aktionspläne ermöglichen nach erfolgreicher Umsetzung eine Streichung von der "Liste der Schande". Sie enthalten Maßnahmen zur Unterbindung einer Rekrutierung von Kindern, dazu gehören beispielsweise der Zugang von UN-Personal zu Militärstützpunkten, Training für Militärpersonal und Entwicklungsprogramme zur Reintegration ehemaliger Kindersoldaten. In der Zwischenzeit gelang es, so die Sonderbeauftragte für Kinder und bewaffnete Konflikte Leila Zerrougui, erste Schritte für Aktionspläne mit allen staatlichen Armeen der Liste zu vereinbaren. Neben der Dokumentation der Verbrechen an Kindern und der Aufklärungsarbeit unternimmt die Sonderbeauftragte Länderbesuche, in deren Rahmen sie Dialog mit Regierungen und Konfliktparteien führt und diese Aktionspläne aushandelt.

Um den Schutz von Kindern in bewaffneten Konflikten zu verbessern, müsse die Zusammenarbeit der UN mit regionalen Organisationen weiter ausgebaut werden. In UN-Friedensmissionen ist verstärkt ein Einsatz spezialisierter Berater für den Schutz von Kindern (Child Protection Advisers) gefragt, wie sie in Mali im Rahmen der MINUSMA eingesetzt werden sollen. Entscheidend sei insbesondere ein Ende der Straflosigkeit für schwerwiegende Gewalt gegen Kinder, so Zerrougui. Der UN-Sicherheitsrat müsse vermehrt gezielte Sanktionen gegen die Täter beschließen.

In einer gestern verabschiedeten Erklärung bekräftige der UN-Sicherheitsrat die Forderung nach einem Ende der Gewalt gegen Kinder in Konflikten und zeigte sich besorgt über die anhaltend hohe Zahl der Konfliktparteien, die Kinderrechte verletzen.

Weitere Informationen:

Kinder und bewaffnete Konflikte: Interaktive Weltkarte

Office of the Special Representative of the Secretary-General for Children and armed Conflict

Ächtung von 52 Konfliktparteien (15.6.2012)

Hintergrund: Kinder in bewaffneten Konflikten (28.5.2011)

Tina Schmidt

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