Nukleare Abrüstung und Nichtverbreitung
Das Ziel einer Welt ohne Atomwaffen scheint derzeit in weite Ferne gerückt. Während die nuklearen Arsenale modernisiert werden, geraten internationale Abkommen zur Abrüstung und Rüstungskontrolle zunehmend unter Druck.

Unter dem Begriff CBRN werden chemische, biologische, radiologische und nukleare Waffen beziehungsweise Gefahren zusammengefasst. Häufig werden chemische, biologische und nukleare Waffen auch als Massenvernichtungswaffen bezeichnet. Radiologische Waffen nehmen dabei eine Sonderstellung ein, da sie radioaktives Material verbreiten, ohne eine nukleare Kettenreaktion auszulösen.
Der Begriff „Massenvernichtungswaffen“ ist allerdings nicht unumstritten. Kritisiert wird unter anderem, dass die Zusammenfassung sehr unterschiedliche Waffentypen nur unzureichend abbildet.
Atomwaffen
Anfang 2026 verfügten nach Schätzungen des Stockholm International Peace Research Institute (SIPRI) neun Staaten über insgesamt rund 12.200 Atomwaffen: die USA, Russland, Großbritannien, Frankreich, China, Indien, Pakistan, Nordkorea und Israel. Alle neun Staaten entwickelten oder modernisierten ihre nuklearen Arsenale weiter. Die USA und Russland besitzen zusammen weiterhin den weitaus größten Anteil der weltweiten Atomwaffenbestände.
Bei einer historischen Sitzung im September 2009 nahm der UN-Sicherheitsrat einstimmig die Resolution 1887 an, die an die Regierungen der Welt appelliert, den Atomwaffensperrvertrag (Non-Proliferation Treaty, NPT) von 1970 umzusetzen. Diese Resolution fordert eine weltweite Nichtverbreitung von Kernwaffen und nukleare Abrüstung.
Im September 2017 verabschiedeten die UN ohne die Beteiligung der Atommächte den Atomwaffenverbotsvertrag (Treaty on the Prohibition of Nuclear Weapons, TPNW). Dieser Vertrag ist das Resultat einer neuen internationalen Bewegung, die sich seit 2008 für eine atomwaffenfreie Welt stark macht. Der Vertrag verbietet seinen Vertragsstaaten unter anderem Entwicklung, Besitz, Einsatz und Androhung des Einsatzes von Atomwaffen und trat am 22. Januar 2021 in Kraft. Die Atomwaffenstaaten sind ihm bislang nicht beigetreten. Auch Deutschland und die meisten anderen NATO-Staaten lehnen einen Beitritt bislang ab
Die internationale Rüstungskontrollarchitektur ist in den vergangenen Jahren zugleich erheblich unter Druck geraten. Der New-START-Vertrag zwischen den USA und Russland trat 2011 in Kraft und begrenzte die Zahl stationierter strategischer Nuklearsprengköpfe und Trägersysteme. Nach einer Verlängerung um fünf Jahre lief der Vertrag jedoch am 5. Februar 2026 aus. Damit gingen auch wichtige Instrumente zur gegenseitigen Kontrolle und Transparenz verloren. Die Vereinten Nationen haben die USA und Russland deshalb dazu aufgerufen, ein Nachfolgeabkommen auszuhandeln.
Insgesamt sind die Interessengegensätze zwischen Atomwaffenstaaten und Nichtatomwaffenstaaten weiterhin groß. Gleichzeitig nehmen die nuklearen Risiken wieder zu: Die Atomwaffenstaaten modernisieren ihre Arsenale, während zentrale Instrumente der Rüstungskontrolle geschwächt werden oder wegfallen.
Radiologische Waffen
Radiologische Waffen unterscheiden sich grundlegend von Atomwaffen. Die Radiologische Dispersionsvorrichtung (RDD) ist auch als radiologische oder umgangssprachlich als schmutzige Bombe bekannt. Hierbei handelt es sich um eine Mischung aus Nuklear- und konventioneller Waffe. Mithilfe eines konventionellen Zündsatzes soll eine "schmutzige Bombe" radioaktive Substanzen großflächig in einem Gebiet verteilen. Dadurch kommt es zu einer radioaktiven Kontamination der Umgebung, wodurch die betroffenen Gebiete möglicherweise für längere Zeit nicht mehr bewohnbar sind. Es kommt allerdings nicht zu einer Kernspaltung. Verglichen mit der Zündung einer Atombombe wird auch nur wenig Energie freigesetzt. Über die Gefahr eines Anschlags mit einer radiologischen Bombe durch internationale Terroristen wird auch in den Medien immer wieder spekuliert. Der Begriff schmutzige Bombe wird auch in Bezug auf Sprengvorrichtungen verwendet, die biologische oder chemische Stoffe enthalten und diese bei einer Explosion freisetzen.