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Der Sudan-Konflikt und die UN

Seit April 2023 befindet sich der Sudan in einem verheerenden Krieg zwischen den sudanesischen Streitkräften (SAF) und den paramilitärischen Rapid Support Forces (RSF). Der Konflikt hat die größte Vertreibungskrise der Welt ausgelöst und Millionen Menschen in eine humanitäre Notlage gestürzt. Die Vereinten Nationen, die Afrikanische Union und weitere internationale Akteure bemühen sich um eine politische Lösung und die Versorgung der betroffenen Bevölkerung.

Soldaten laufen auf einer nichtbefestigten Straße, neben zwei UN Fahrzeugen mit weiteren Soldaten.
Blauhelmtruppe auf Patrouille in Abyei (UN Photo/Stuart Price)

Wie ist der Konflikt entstanden?

Sudan ist durch eine komplexe Konflikthistorie geprägt, wobei ethnische, wirtschaftliche, soziale und kulturelle Differenzen durch die Kolonia­lherrschaft Großbritanniens verstärkt wurden. 1956 wurde Sudan zu einem unabhängigen Staat. Doch zeitgleich brach ein Bürgerkrieg zwischen der muslimisch-arabischen Population im Norden und der christ­lich-afri­k­anischen Bevöl­kerung des Südens aus. Inner­staatliche Unruhen und Instabilität ermöglichten 1989 einen Militärputsch, durch den Umar Al-Bashir die Präsident­schaft erlangte. Als einer der am längsten amtierenden Staats­oberh­äupter Afrikas regierte er das Land 30 Jahre lang mit seinem repressiven Militär. Während­dessen erfuhr der christlich geprägte Süden Jahrzehnte von Diskriminierung und Margi­nalisierung. 2005 unterzeichnete die muslimische Regierung Al-Bashirs einen Friedens­vertrag mit der Sudan People's Liberation Army (SPLA), welcher dem Süden Autonomie gewährte.

Das in 2011 implementierte Un­abhängig­keits­referendum brachte die ersehnte Abspaltung des Südens von der Regierung in Khartum, was die Geburtsstunde des jüngsten Staates der Welt darstellte: Südsudan. Dennoch dauerten die innerstaatlichen Feindseligkeiten zwischen verschiedenen ethnischen Populationen an. Nach weiteren gebrochenen Friedensabkommen und mehr als hunderttausenden Toten sowie Millionen Geflüchteten, ist in keinem der beiden Sudans nachhaltiger Frieden abzusehen. Blutige Auseinander­setzungen sind neben der problematischen ökonomischen Lage ein fundamentaler Destabilisierungs­faktor.

Die internationale Gemeinschaft richtete 2019 alle Augen auf Sudan, als der jahr­zehnte­lange Machtinhaber Al-Bashir durch einen Militärputsch abgesetzt und inhaftiert wurde. Monatelange, friedliche Proteste führten zu einer Machtaufteilung zwischen dem Militär und den Forces of Freedom and Change, welche die Zivilbevölkerung repräsentieren. Eine zwischenzeitlich eingesetzte Übergangs­regierung sollte demokratische Staats­strukturen aufbauen und Wahlen ermöglichen, ihre Handlungsmöglichkeiten waren aber durch den Einfluss des Militärs stark begrenzt. 2021 stürzte das Militär gemeinsam mit den paramilitärischen Rapid Support Forces (RSF) die Regierung und General Abdel Fattah al-Burhan übernahm die Macht. Verhandlungen, um die Einsetzung einer zivilien Regierung zu ermöglichen und die RSF in die sudanesische Armee einzugliedern, scheiterten jedoch. Im April 2023 kam es zu einer Eskalation des Konflikts zwischen den sudanesischen Streit­kräften, die unter Befehl von General Abdel Fattah al-Burhan stehen, und den RSF unter Führung von Mohamed Hamdan Dagalo. Diese Streitigkeiten über die politische Zukunft des Landes und die Eingliederung der RSF führten schließlich im April 2023 zum offenen Krieg

Konfliktlinien und beteiligte Akteure

Im Zentrum des aktuellen Konflikts stehen die sudanesischen Streitkräfte (SAF) unter General Abdel Fattah al-Burhan und die paramilitärischen Rapid Support Forces (RSF) unter Führung von Mohamed Hamdan Dagalo („Hemedti“). Beide Akteure waren nach dem Sturz von al-Bashir Teil der Übergangs­regierung, kämpfen seit April 2023 jedoch um die politische und militärische Kontrolle des Landes.

Viele Ursachen des heutigen Krieges reichen bis zum Darfurkonflikt zurück. In der westsudanesischen Region Darfur führten politische Marginali­sierung, Konkurrenz um Land und Wasser sowie Spannungen zwischen unterschiedlichen Bevölkerungs­gruppen seit Jahrzehnten zu Konflikten. Ab 2003 eskalierten die Kämpfe zwischen Rebellen­gruppen wie der Sudan Liberation Movement/Army (SLM/A) und der Justice and Equality Movement (JEM) auf der einen sowie der Regierung in Khartum auf der anderen Seite. Die Regierung setzte dabei auch die berüchtigten Janjaweed-Milizen ein, aus denen später die RSF hervorgingen.

Der Darfurkonflikt forderte Hunderttausende Todesopfer und vertrieb Millionen Menschen. Massenvertreibungen, sexualisierte Gewalt und Angriffe auf Dörfer prägen die Region bis heute. Der Internationale Straf­gerichtshof untersucht Verbrechen im Zusammen­hang mit dem Konflikt, darunter Vorwürfe von Kriegs­verbrechen, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Völkermord. 

Besonders umkämpft sind heute die Regionen Darfur und Kordofan. Berichte der Vereinten Nationen dokumentieren weiterhin schwere Menschen­rechts­verletzungen gegen die Zivilbevölkerung. Zudem wird der Konflikt zunehmend internationalisiert: Nach Einschätzung von UN-Untersuchungs­mechanis­men profitieren beide Kriegs­parteien von externer militärischer und logistischer Unterstützung.

Die Rolle der internationalen Gemeinschaft

Drei Blauhelmsoldatinnen sitzen in einem gepanzerten Mannschaftstransportwagen.
Soldatinnen der UNAMID-Friedenstruppe auf Nachtpatrouille in einem Camp für Binnengeflüchtete in Darfur (UN Photo/Albert Gonzalez Farran)

Zahlreiche Akteure sind in die sudanesische Politik involviert und nehmen unterschiedlich stark Einfluss auf das örtliche Geschehen. Dies geht mit der Abhängigkeit von internationaler Unterstützung einher. Die Afrikanische Union (AU) war seit 2004 mit ihrer AMIS-Mission als schützender Akteur für die Zivilbevölkerung in das Konflikt­geschehen in Darfur involviert. Das Interesse liegt besonders auf regionaler Stabilität. Die UN begann 2007 eine ihrer historisch größten Friedens­einsätze in Darfur: dem Hybriden Einsatz der Afrikanischen Union und der Vereinten Nationen in Darfur (UNAMID). Das UNAMID-Mandat endete allerding mit dem Jahr 2020 und die zivile UN-Mission UNITAMS wurde etabliert, um Sudan mit dem Friedensprozess und der politischen Demo­kra­tisierungs­phase zu assistieren. Nachdem sich die politische Lage verschlechtert hatte und die sudanesische Regierung die Beendigung der Mission forderte, beschloss der Sicherheitsrat Ende 2023 die Schließung von UNITAMS. Die Mission wurde am 29. Februar 2024 endgültig beendet.

Heute konzentrieren sich die Vereinten Nationen vor allem auf diplomatische Vermittlungsbemühungen, humanitäre Hilfe und die Dokumentation von Men­schenrechts­verletzungen. Der Generalsekretär und sein Persönlicher Gesandter für den Sudan werben gemeinsam mit der Afrikanischen Union und regionalen Organisationen für eine Waffenruhe und einen politischen Dialog. 

Darüber hinaus untersuchen inter­nationale Mechanis­men schwere Verstöße gegen das humanitäre Völkerrecht. Der Internationale Strafgerichtshof setzt seine Ermittlungen zu Verbrechen in Darfur fort, während eine unabhängige Ermittlungsmission Menschen­rechts­verletzungen im aktuellen Krieg dokumentiert.

Ausblick

Mehr als drei Jahre nach Beginn des Krieges ist ein Ende der Kämpfe nicht in Sicht. Zwar haben sich die Front­verläufe in einzelnen Landesteilen verändert, doch insbesondere in Darfur und Kordofan dauern die Gefechte an. Gleichzeitig verschärfen Hunger, Vertreibung und der Zusammenbruch staatlicher Dienst­leistungen die Not der Bevölkerung. Die internationale Gemeinschaft steht daher weiterhin vor der Herausforderung, humanitäre Hilfe zu leisten, Zivilpersonen zu schützen und die Voraussetzungen für einen dauerhaften Friedensprozess zu schaffen.