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Erfolge und Herausforderungen im Kampf gegen Kindersoldaten

Der globale Aktionstag Red Hand Day macht seit 2002 jedes Jahr am 12. Februar auf das Schicksal der vielen Kindersoldaten aufmerksam. Bislang wurden schon über 450.000 rote Handabdrücke gesammelt. Das Thema wurde so in den letzten Jahren nicht nur in der Öffentlichkeit immer präsenter, sondern auch auf der politischen Agenda der Nationalstaaten und der Vereinten Nationen. Doch trotz UN- Resolutionen, der Einrichtung eines UN- Ausschusses und der wichtigen Arbeit von Hilfsorganisationen besteht immer noch viel Handlungsbedarf.

Befreite Kindersoldatin. Foto: UNICEF.149414.Sokhin

Der globale Aktionstag Red Hand Day macht seit 2002 jedes Jahr am 12. Februar auf das Schicksal der vielen Kindersoldaten aufmerksam. Bislang wurden schon über 450.000 rote Handabdrücke gesammelt. Das Thema wurde so in den letzten Jahren nicht nur in der Öffentlichkeit immer präsenter, sondern auch auf der politischen Agenda der Nationalstaaten und der Vereinten Nationen. Doch trotz UN- Resolutionen, der Einrichtung eines UN- Ausschusses und der wichtigen Arbeit von Hilfsorganisationen besteht immer noch viel Handlungsbedarf.


Einsatz von Kindersoldaten weltweit

Schätzungen zufolge werden weltweit etwa 250.000 Minderjährige in bewaffneten Konflikten freiwillig oder unfreiwillig für Kampfhandlungen oder Kriegsarbeiten wie zum Beispiel als Nachrichtenübermittler oder Koch missbraucht. Laut Christian Schneider, Geschäftsführer des Deutschen Komitees von UNICEF, sind „zurzeit […] so viele Kinder von bewaffneten Konflikten betroffen wie seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr“.

Der Bericht des UN-Generalsekretärs zu Kindern in bewaffneten Konflikten listete 2016 20 Länder auf, in denen Kinder als Soldaten eingesetzt werden. Allein im Südsudan, dem jüngsten Staat der Welt, soll es ungefähr 19.000 Kindersoldaten geben. Kinder werden deswegen für Kriege und bewaffnete Konflikte angeworben oder zwangsrekrutiert, weil sie oft leichter zu manipulieren und in ihren Lebenserhaltungskosten günstiger sind. Die Gründe, warum sich Minderjährige als Kindersoldat Armeen oder Milizen anschließen sind vielfältig. Oft geschieht dies aus Armut, der Suche nach Schutz, dem Wunsch, die Gemeinde zu verteidigen oder aus dem Wunsch, Verbrechen gegen die eigene Familie zu rächen. Der Preis, den die Kinder dafür zahlen müssen, ist hoch. Viele erleiden sexuellen Missbrauch, Drogenabhängigkeit sowie schwerste körperliche und psychische Schäden, welche die Wiedereingliederung ins zivile Leben schwer und langwierig machen.

Der Einsatz der UN

Schon seit 1996 gibt es das Amt eines Sonderbeauftragten des UN-Generalsekretärs für Kinder und bewaffnete Konflikte. Drei Jahre später definierte der Sicherheitsrat zum ersten Mal schwerwiegende Verstöße gegen Kinderrecht in bewaffneten Konflikten:

1.            Sexuelle Übergriffe

2.            Missbrauch als Soldat oder Zwangsarbeiter

3.            Die Tötung oder Verwundung von Kindern

4.            Angriffe auf Schulen und Krankenhäusern

5.            Verweigerung von humanitärer Hilfe

6.            Entführung und Zwangsvertreibung

Dadurch ist es möglich Verstöße international zu ahnden. Zudem wurde die UN-Kinderrechtskonvention durch ein Zusatzprotokoll, dem mittlerweile 167 Staaten beitraten, 2002 ergänzt. Verantwortliche können seitdem vor dem internationalem Strafgerichtshof in Den Haag verurteilt werden und die Rekrutierung von unter 15-Jährigen gilt als Kriegsverbrechen.

Länder, in denen Kindersoldaten eingesetzt werden. Foto: UNICEF

Durch die statistische Erhebung des Problems und Aufklärungskampagnen schaffen UN- Organe zudem eine breitere Öffentlichkeit für das Schicksal der Kindersoldaten. Der Jahresbericht des UN-Generalsekretärs zu Kindern und bewaffneten Konflikten nennt auf der List of Shame" explizit Gruppierungen, durch die Kinder als Soldaten eingesetzt wurden oder durch die die oben genannten Verstöße begangen wurden.

Im Kampf gegen den Einsatz von Kindersoldaten ist außerdem unbedingt die Arbeit von UNICEF zu nennen. Das Hilfswerk richtet Übergangszentren für ehemalige Kindersoldaten ein, kümmert sich um deren Schulbildung und Arbeitsmöglichkeiten und entwickelt mit Nationalstaaten Aktionspläne.

Minderjährige auch in der Bundeswehr

Nicht nur in Ländern, in denen Kriege und gewaltsame Konflikte herrschen, dienen Minderjährige in der Armee. Sogar in Deutschland werden gezielt 17- Jährige angeworben. 2017 dienten 2128 Minderjährige in der Bundeswehr – ein Rekordhoch. Jedoch verbietet die Bundeswehr diesen Rekruten, die Waffe gegen Menschen einzusetzen. An der Waffe ausgebildet werden die Minderjährigen trotzdem. Terre des hommes sowie der UN- Ausschuss für die Rechte des Kindes und die Kinderkommission des deutschen Bundestages fordern hier das Aussetzen der Rekrutierung und der Werbung von Minderjährigen. Die Kinderkommission des deutschen Bundestages ist ein Unterausschuss des Ausschusses für Familie, Senioren, Frauen und Jugend.

Es gibt immer noch einen großen Handlungsbedarf. Die Mitgliedstaaten müssen die Resolutionen der UN konsequenter durchsetzen und mehr Mittel für Hilfsprogramme zur Verfügung stellen. Außerdem sollten Waffenexporte in Krisengebieten, in denen es Kindersoldaten gibt, gestoppt werden. Der beste Schutz für Kinder, gar nicht erst in bewaffnete Konflikte hereingezogen zu werden, ist jedoch die gezielte Konfliktursachenbekämpfung und Friedenssicherung weltweit.

 Weiterführende Links:

Red Hand Day: http://www.redhandday.org/index.php?id=4&L=2

UNICEF über Kindersoldaten: https://www.unicef.de/informieren/aktuelles/presse/2015/kinder-nicht-soldaten/72074

Generalsekretär für Kinder und bewaffnete Konflikte: https://childrenandarmedconflict.un.org/mandate/timeline/

 

Kathrin Remus